Transnationale Formen des Rechtsextremismus
Transnationale Formen des Rechtsextremismus am Beispiel der Ülkücü-Bewegung
Wir stellen die (Zwischen-)Ergebnisse unseres Forschungsprojektes vor und spiegeln sie an den Erkenntnissen aus der Vortragsreihe. Mit welchen Ideologieelementen arbeiten die „Grauen Wölfe“ in Bayern, welche Struktur und welche Aktivitäten nutzen sie und über welche Verflechtungen bis in die Türkei verfügen sie? Wie beeinflussen die Entwicklungen in der Türkei die Aktivitäten der „Grauen Wölfe“ hier? Wir betrachten den Kontext in Bayern und diskutieren, warum die zweitgrößte extrem rechte Organisation in Bayern so wenig gesehen wird.
Martina Ortner wird darstellen, welchen Beitrag das Forschungsprojekt zu Überlegungen zu transnationalen Formen des Rechtsextremismus leisten möchte und welche Anforderungen an dieses Forschungsfeld gestellt werden.
Rabia Kökten geht in ihrem Vortrag auf Normalisierungsstrategien extrem rechter Akteur:innen mit Türkeibezug in Bayern ein und verknüpft diese mit organisationssoziologischen Überlegungen. Für das Bestehen der extrem rechten Vereine sind die Etablierung und Aufrechterhaltung einer kollektiven Identität zentral. Sie operieren mit zwei binären Codes, die sie flexibel und transnational einsetzen: türkisch/nicht-türkisch und muslimisch/nicht-muslimisch. Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, wie diese regelmäßig reproduziert und gefestigt werden und zu mehr (Un-)Sichtbarkeit, Anerkennung und Normalisierung als „türkische Kulturvereine“ führen.
Kurzbiographie
Martina Ortner ist Professorin für migrationssensible Soziale Arbeit an der OTH Regensburg. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind (Post-)Migration, Rechtsextremismus und Gemeinwesenarbeit.
Rabia Kökten ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der OTH Regensburg im Forschungsprojekt „Transnationale Formen des Rechtsextremismus“ und Mitglied im ForGeRex – Forschungsverbund für Gegenwartsanalysen, Erinnerungspraxis und Gegenstrategien zum Rechtsextremismus in Bayern. Sie ist Promovendin am Promotionszentrum PZSGT.
Das Alte innerhalb der neuen Fraktionen der extremen Rechten in der Türkei: Kontinuitäten und Brüche
Obwohl zeitgenössische Formen der extremen Rechten in der Türkei bedeutende Transformationen durchlaufen haben, weisen sie weiterhin starke ideologische Kontinuitäten auf. Im Zentrum dieser Kontinuitäten steht das Erbe der Ülkücü-Bewegung, die unter der Führung von Alparslan Türkeş geprägt wurde. Die Sakralisierung des Staates, der Diskurs des „Überlebens“ (beka), die türkisch-islamische Synthese sowie eine Form des politischen Ethnozentrismus, der auf der türkischen Identität zentriert ist, werden heute in unterschiedlichen Tönen innerhalb rechtsextremer Parteien wie der MHP, ZP, BBP, İYİP und AP reproduziert. Zwischen 2015 und 2025 hat sich im rechtsextremen Diskurs eine bemerkenswerte Transformation vollzogen. Der Antisemitismus, der in den ideologischen Wurzeln der türkischen extremen Rechten historisch einen bedeutenden Platz eingenommen hat, wird sowohl durch alte als auch neue diskursive Formen reproduziert; er ist besonders sichtbar geworden in den Umgangsweisen mit der Kurdischen Frage sowie in der antiimmigrantischen Rhetorik. Trotz ideologischer Unterschiede zwischen diesen Parteien bleibt ein gemeinsamer nationalistischer Rahmen bestehen – strukturiert um die Freund-Feind-Unterscheidung und die Dichotomie von „Wir gegen Sie“. Abschließend lässt sich festhalten, dass die extreme Rechte in der Türkei ein politisches Feld konstituiert, das sowohl von Kontinuität als auch von Brüchen geprägt ist und seine historischen ideologischen Wurzeln innerhalb eines Rahmens neuen politischen Pragmatismus reproduziert, während es sich gleichzeitig durch Wandel neu konstituiert.
Kurzbiographie
Dr. Murat Arpacı erwarb seinen Bachelorabschluss im Fachbereich Geschichte an der Hacettepe-Universität. Master und Promotion absolvierte er im Fachbereich Soziologie an der Mimar Sinan Fine Arts University. Postdoktorale Forschung betrieb er an der Universität Hamburg und am Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO). Er zählt zu den Autor:innen des Buches „Historische Ethnische Geographie der Türkei: Verteilung der Muttersprachen (1927–1965)“. Seine Forschungsarbeiten wurden in Zeitschriften wie Sociology Lens und The History of the Family veröffentlicht. Derzeit arbeitet er im Fachbereich Soziologie der Erzincan-Universität und setzt seine Forschungen in den Bereichen Postkolonialismus, Körperpolitik, Migration, Diskriminierung und Ethnizität fort.
Einlassvorbehalt und Anmeldung
Zutritt nur unter Einlassvorbehalt und nach vorheriger Anmeldung!
Die Veranstaltenden behalten sich vor, die Teilnahme auf angemeldete Personen zu beschränken. Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist für jede Veranstaltung einzeln erforderlich. Bitte melden Sie sich mindestens 3 Tage vor den Veranstaltungen, die Sie interessieren, per E-Mail an: projekt-retra@oth-regensburg.de.
Nach Zusage durch die Veranstaltenden erhalten Sie per E-Mail eine Anmeldebestätigung sowie kurz vor der Veranstaltung den Zugangslink zur Videokonferenz
Inhaltlicher Hinweis
Diese Veranstaltungsreihe behandelt Themen wie Rassismus, politische Gewalt, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Manche Inhalte können belastend sein.

