Rechtsextreme Gewalt

Madımak-Massaker-Gedenkzentrum: Auseinandersetzung mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, staatlicher Verantwortung und kollektivem Gedächtnis

Das Madımak-Massaker war ein gewaltsamer Angriff, der 1993 in Sivas verübt wurde, bei dem 33 Menschen – darunter Dichter:innen, Schriftsteller:innen, Intellektuelle, Frauen und Kinder – getötet wurden, als das Madımak-Hotel in Brand gesetzt wurde. Tausende Menschen umzingelten das Hotel, skandierten islamistische und faschistische Parolen und zeigten extremistische Handgesten, während die Sicherheitskräfte untätig blieben. Der Angriff wurde von radikal-islamistischen und faschistischen Gruppen verübt und wird weithin sowohl als Verbrechen gegen die Menschlichkeit als auch als Staatsverbrechen anerkannt, aufgrund staatlicher Verantwortung und einer seit langem bestehenden Kultur der Straflosigkeit. Dieser Vortrag stellt das Madımak-Massaker-Gedenkzentrum als einen Ort der Erinnerung und Auseinandersetzung vor, mit dem Ziel, das kollektive Gedächtnis zu bewahren, Leugnung entgegenzuwirken und durch physische und digitale Gedenkpraktiken den Einsatz für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht zu unterstützen.

Gedenkstätte Madımak-Massaker: https://www.madimak.org

Kurzbiographie
Eylem Şen ist Dokumentarfilmerin, kreative Direktorin und Forscherin, die an der Schnittstelle von Kino, digitalem Gedächtnis und Menschenrechten arbeitet. Sie hat einen Bachelorabschluss in Computertechnik und arbeitete mehrere Jahre als Datenbankadministratorin, bevor sie sich dem Filmstudium zuwandte. Sie schloss sowohl ihren Bachelor- als auch ihren Masterabschluss in Film Design ab und ist derzeit Doktorandin in Film Design an der Dokuz Eylül Universität, wo sie ihre Doktorarbeit verfasst. Ihre Doktorforschung konzentriert sich auf Kino, künstliche Intelligenz, feministische Theorie und digitales Gedächtnis, mit besonderem Augenmerk auf audiovisuelle Archive und Gedenkpraktiken. Von 2021 bis 2024 war sie als kreative Direktorin, Projektkoordinatorin und Direktorin des virtuellen Museums des Madımak-Massaker-Gedenkzentrums tätig und arbeitete an kollektivem Gedächtnis, staatlicher Gewalt und digitalem Gedenken durch Dokumentarfilm- und virtuelle Museumsprojekte.

Nach 1993: Politische Gewalt in Sivas und Solingen. Wie alevitische Selbstorganisation und Bündnispolitik geprägt und begrenzt wurden

Der Vortrag nimmt 1993 als diasporapolitische Zäsur in den Blick: Sivas als antialevitisches Gewaltereignis und Solingen als rassistischer Brandanschlag in Deutschland. Anhand dieser Doppelkonstellation wird gezeigt, wie alevitische Selbstorganisation, Erinnerungskultur und solidarische Bündnisse gestärkt wurden, zugleich aber durch homogenisierende „türkische Community“-Narrative und innerdiasporische Machtverhältnisse in ihrer Artikulationsfähigkeit begrenzt blieben. Abschließend geht es um die Konsequenzen für heutige Antirassismusarbeit, politische Bildung und solidarische Bündnispolitik, die Differenz nicht unsichtbar macht.

Kurzbiographie
Ceren Türkmen ist politische Soziologin und arbeitet zu Rassismus, rechter Gewalt und transnationalen Konfliktlinien in der Migrationsgesellschaft und Migrationspolitik, mit einem Schwerpunkt auf Betroffenenperspektiven zwischen Staatspolitik und Selbstorganisierung. In Vorträgen und Publikationen verbindet sie die Analyse von Ideologie und Organisation mit Fragen der Selbstorganisierung, Erinnerungspolitik und institutionellen blinden Flecken in Deutschland.

Einlassvorbehalt und Anmeldung

Zutritt nur unter Einlassvorbehalt und nach vorheriger Anmeldung!

Die Veranstaltenden behalten sich vor, die Teilnahme auf angemeldete Personen zu beschränken. Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist für jede Veranstaltung einzeln erforderlich. Bitte melden Sie sich mindestens 3 Tage vor den Veranstaltungen, die Sie interessieren, per E-Mail an: projekt-retra@oth-regensburg.de.
Nach Zusage durch die Veranstaltenden erhalten Sie per E-Mail eine Anmeldebestätigung sowie kurz vor der Veranstaltung den Zugangslink zur Videokonferenz

Inhaltlicher Hinweis

Diese Veranstaltungsreihe behandelt Themen wie Rassismus, politische Gewalt, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Manche Inhalte können belastend sein.

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